Graf Reinhard« und die Entstehung des Reinhardswaldes

Es lebte einmal ein Graf Reinhard, dem alles Land, alle Dörfer und Städte zwischen der Diemel und dem Weserstrom gehörten.

Er war aber ein arger Spieler. Mit anderen vornehmen Herren spielte er oft Würfel, hatte aber fast nie Glück im Spiel. Eines Abends spielten sie wieder, und Graf Reinhard hatte schon alles verloren. Da setzte er zuletzt seine ganze Grafschaft aufs Spiel. Aber auch diesmal verlor er, und Graf Reinhard war mit einem Wurf ein armer Mann geworden.

Er gönnte jedoch seinem Gegner die Grafschaft nicht und brauchte eine List, um sie ihm wieder zu entreißen. Er bat ihn, er möchte ihn noch eine Aussaat ernten lassen. Die Bitte wurde zugesagt, und Graf Reinhard eilte von dannen, um seine Anstalten zu treffen. Er brannte alle Dörfer nieder, trieb die Einwohner weg und ließ überall Waldsamen ausstreuen.

Daraus ist der Reinhardswald aufgewachsen, und der glückliche Gewinner wartete noch heute auf die Ernte, wenn er nicht längst gestorben wäre. An sehr vielen Stellen des Waldes sind Spuren des früheren Ackerbaus noch sichtbar; Mittelrücken und Scheidefurchen der Äcker wechseln regelmäßig auf große Strecken hin miteinander ab.